Furioser Kirmesabend bei Sauna-Temperaturen

Halle West ist komplett ausverkauft. Erstklassiges Programm reißt die Gäste von den Sitzen

Der Schweiß lief in Strömen beim Kirmesabend in der Halle West am Samstag. Und das längst nicht nur bei denjenigen, die auf der Bühne Top-Leistungen zeigten. Denn in der Halle herrschten Temperaturen und eine Luftfeuchtigkeit, die nahe an eine Dampfsauna heranreichten. Ein Grund, es ruhiger angehen zu lassen? Ganz und gar nicht!

Gevelsberger auf der Bühne

Nachdem die Beiträge der Kirmesgruppen während der vergangenen Jahre etwas abgenommen hatten, stehen wieder mehr Gevelsberger auf der Bühne. Den Startschuss gaben die Kirmes-Allstars, bei denen aus jeder KG Mitglieder mittanzten. Sie hatten es nicht leicht, als erste Gruppe. Ebenso wie Jürgen Piorek (KG Börkey), der als Ehemann seit vielen Jahren in die Bütt beim Kirmesabend steigt.

Er riss das Niveau mehrere Mal unter die Gürtellinie, mühte sich redlich, wurde am Ende aber mit verhaltenem Applaus verabschiedet. Ähnlich wie das Duo der Mühlenhämmer, das das plötzliche Ende seines Sketches mit den Worten „Das war es schon, wir sind fertig“ verdeutlichen musste.

Ganz anders die Reaktionen beim Auftritt der Pinass Brumse mit ihrer Nationalmannschaft im Mixed-Synchronschwimmen. Die Leute johlten vor Lachen, standen auf und entließen die Kirmesgruppe mit donnerndem Applaus. Den bekam auch Hammerschmied Bernd Matthäi, der sich dem Geschehen vor Ort widmete und ordentlich aber stets mit zwinkerndem Auge und seiner charmanten Gelassenheit zum Rundumschlag ausholte.

Baut sich der frische Vater, Bürgermeister Claus Jacobi, seine eigene Spielstraße vor die Tür? Kauft Wieland Rahn ganz Gevelsberg und tauft die Stadt in Vivaldi-City um? Das aktuelle Geschehen in und um Gevelsberg nahm der Hammerschmied gekonnt ironisch, sarkastisch aber nie böse aufs Korn. Die Halle stand Kopf als er sich wieder von der Bühne verabschiedete.

Profis im Programm

Was der Kirmesabend für eine herausragende Veranstaltung ist, zeigen die Reaktionen der gut bezahlten Profis, die zu Gast waren. Sowohl der Kommandant des Rheinische Tanzkorps der Flittarder Karnevalsgesellschaft als auch Kabarettist Jürgen B. Hausmann sagten zum Abschluss ihrer Auftritte: „Wir kommen gern wieder, wenn wir dürfen.“

Aus Sicht der Gäste dürfen sie. Die Kölner Tänzer zeigten, dass sie zu Recht zu den besten im Kölner Karneval gehören. Die Leute standen, klatschten, forderten immer mehr Zugaben. Die letzte war dann eine außergewöhnliche: Die Männer des Tanzkorps schnappten sich Moderator Sascha Hilger und warfen den Dorfschulzen mehrmals etwa fünf Meter hoch in die Luft.

Jürgen Beckers war als Hausmann bereits vor vier Jahren in Gevelsberg und setzte im Vergleich zu damals sogar noch einen drauf. Er feuerte seine treffsicheren Pointen im Sekundentakt ab und glänzte vor allem dadurch, dass sein Programm so nachvollziehbar und nah am Leben gestaltet ist.

Nach dem offiziellen Programm sorgte die Band Heavens Club für gute Stimmung und eine volle Tanzfläche.

Abschiedstournee

Nach 30 Jahren hängt der 1. Vorsitzende des Kirmesvereins, Michael Sichelschmidt, die Vorstandsarbeit zur Jahreshauptversammlung im kommenden Jahr an den Nagel. Dementsprechend trat der scheidende Chef zwar gut gelaunt – wie immer – aber auch etwas wehmütig vor das Kirmesabend-Publikum und sagte endgültig „Adieu“.

Michael Sichelschmidt freut sich schon auf die Zeit, die der Kirmesverein nach ihm haben wird. „Da kommen neue Leute mit neuen Ideen. So soll es sein, das unterstütze ich. Und eines steht schon jetzt fest: Ihr werdet Dinge erleben, die es so bislang noch nicht gegeben hat“, kündigte er an. Auch wenn sein Nachfolger natürlich gewählt werden muss, wird sein Stellvertreter Markus Loetz als Kronprinz gehandelt.

Und sonst noch so

Erneut sorgten die Handballer der HSG für Essen, Getränke und Wertmarkenverkauf. Sie hatten zahlreiche Snacks im Angebot und verrichteten nass geschwitzt an zwei Theken Höchstleistungen, um die vielen durstigen Gäste bei den hohen Temperaturen – meist mit gehopftem – Flüssigkeitsnachschub zu versorgen. Ein toller Einsatz der Handballer, die die Kasse aber noch mehr hätten zum Klingeln bringen können, wenn sie konsequenter mit den Getränkewagen durch die Tischreihen gegangen wären.

Foto: Marinko Prša