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BWA bei Rundreise beeindruckt

BWA Rundreise

Schon beim Treffen des Bewertungsausschusses (BWA) um 9 Uhr am Nirgena war klar, dass die traditionelle Rundreise zu den elf Bauplätzen der Kirmesgruppen eine heiße Angelegenheit werden würde. Und das nicht nur wegen des strahlenden Sonnenscheins und der hochsommerlichen Temperaturen. Vor Ort präsentierten die Kirmensgruppen ein heißes Feuerwerk kreativer Ideen und eine professionelle, ja detailverliebte Umsetzung ihrer Mottos und Einfälle.

Was hier wieder aus Holz, Eisen und Pappmasche in Formen, Figuren und Wagenaufbauten verwandelt wurde, war atemberaubend. Pneumatische und hydraulische Vorrichtungen und Elektromotoren im Verborgenen verbaut, lassen Figuren und Bauteile „schweben“ und sich bewegen. Bunteste Kostüme, zum Teil in mühevoller Feinarbeit selbst hergestellt, bringen Farbe und Glitzer in den Zug. Wer jemals behauptet hat, die Arbeit der Bewerter wäre eine einfache Geschichte, soll sich am Kirmessonntag den Zug anschauen. Denn der wird grandios und das Niveau in den einzelnen Kategorien ist verdammt hoch. Entsprechend dem Motto: Watt soll ek den am Ballermann, wenn ek doch op den Kiärmes kann“, sollte sich jeder dreimal überlegen, an den fünf tollen Tagen auf der schrägsten Kirmes Europas und dem Kirmeszug am Sonntag nicht dabei zu sein.

Vom Nigena gestartet, ging es zunächst für den BWA und den Kirmesvorstand zur KG Berge. Hier hat sich in den letzten zwei Jahre nicht nur viel auf dem Bauplatz verändert. Auch das Vereinsheim erstrahlt dank des engagierten Einsatzes der Aktiven in neuem Glatz.

Die schräge und gruselige Addams Family mit ihrer düsteren Villa zeigt die Kirmesgruppe Berge auf ihrem Wagen. Da raucht und brodelt es und viele gruselig lustige Details sind zu entdecken. Da darf selbstverständlich der Folterstuhl nicht fehlen. Und das „eiskalte Händchen“ kommuniziert über die beweglichen Finger. Trotz der skurrilen und haarsträubenden Vorlieben der Familie, stehen sich ihre Mitglieder fast schon idyllisch nah. Die Kindergruppe tanzt den „Nevermore Dance“ um einen markanten düsteren Baum. Und die Fußgruppe fährt mit Lurch‘s Limousine die Addams Familie durch die Gegend.

Bei der Kirmesgruppe Im Dörnen dreht sich mit Disneys World alles um die Comics. Da nimmt Dagobert Duck sein morgentliches Bad in seinen Goldtalern, während die Panzerknacker auf der Rückseite mit einem großen Bohrer den Geldspeicher knacken wollen. Wahre Gegebenheiten sind rein zufällig. Den großen Wagen mit dem Disneyschloss, auf dem sich verschiedene Charaktere aus den Disneyfilmen versammeln, haben der neue Bauleiter Lars Dunker und Leonard Kuhler fast komplett allein gebaut. Die Kindergruppe präsentiert den König der Löwen und die Frauengruppe liefert sich mit ihren „Cars“ aus dem gleichnamigen Comic laute und schnelle Rennen.

Angelehnt an das diesjährige Kirmesmotto zeigt die Kirmensgruppe Mühlenhämmer das Treiben rund um den Ballermann auf Malle. Der hydraulisch „abhebende“ Flieger ist aber auf dem Weg von der Insel nach Gevelsberg. Denn: „Wat sall ek den am Ballermann, wenn ek op dä Kiärmes kann?“ Die weiteren Wagendarstellungen zeigen die traditionelle Malle-Gaststätte „Zur Krone“ und im sehr naturgetreu nachgebauten Megapark geht die Party so richtig ab. Die Kindergruppe präsentiert die Luftpost zur Kirmes. Dafür haben die Kids über zweitausend Papierflieger gebastelt und diese mit netten Sprüchen und Wünschen selbst beschriftet. Wer einen auffängt, sollte ihn nicht wegwerfen, sondern die netten Grüße der Mühlekinder lesen. Der Einzelgänger hat die Lösung für Solarpaneele, die grüne Wiesen für die Kühe zupflastern. Seine Solarkuh liefert nicht nur Milch, sondern auch Strom für Handyakkus. In eine Verkehrskontrolle gerät die als Vampire verkleidete Fußgruppe auf Fahrädern. Auf die Frage: „Haben sie etwas getrunken?“, kommt eine verblüffende, aber naheliegende Antwort. Welche? Im Zug kann man es sehen! Also hin! Sehr gewagt kommt die Frauengruppe daher. Sie haben lediglich Schuhe an. Gut, dass man heute technisch viel verpixeln kann. Somit jugendfrei!

In die abenteuerliche Welt von Indian Jones entführt die Kirmesgruppe Pinass Brumse auf ihren zwei Wagen. Zahlreiche Szenen aus den verschiedenen Abenteuern des Haudegens sind zu entdecken. Speere schnelle aus der Wand und verfehlen die Protagonisten nur um Millimeter, und die riesige Steinkugel rollt unablässig hinter Indiana her. Ein echter Wasserfall rausch in die Tiefe, während Jones die Bundeslade rettet. Dies nur ein kleiner Ausschnitt der Szenen. Die Fußgruppe sucht verzweifelt ein Hobby, um die Zeit nach der Kirmes bis zum Start der nächsten Saison zu überbrücken. Die Frauengruppe räumt als „Brumse Bunnys“ mit dem Klischee auf, nur süße „Playboy-Häschen zu sein, während die Kindergruppe das Thema der Pixar Filme „Alles steht Kopf“ präsentiert.

Verkehrte Welt bei der Fußgruppe der Kirmesgruppe Aechter de Biecke: Bei der Fahrt mit dem Hundeschlitten sind die Akteure vorne eingespannt, während der Hund auf dem Schlitten sitzt. Ein schönes Wortspiel. Das nimmt auch der Einzelgänger wörtlich. Er ist kopflos und das ist nicht zu übersehen. Skifahren in Gevelsberg? Bei Aechter de Biecke möglich, denn die durch den Borkenkäfer entstanden Schneisen im Buchenberg werden zum Skiparadies umfunktioniert.

Elfen und Feen bevölkern den schön gestalteten Wagen der Kirmesgruppe Schnellmark. Die Fabelwesen tragen ein bunte und friedliche Stimmung in den Kirmeszug. Die Frauengruppe tanzen dabei um einen verwunschenen Feenbrunnen.

Als Superheldinnen des Alltags rettet die Frauengruppe der Kirmesgruppe Börkey alles, was keiner sieht. Familie, Job, Chaos, Termine…. Die Kindergruppe zeigt, dass die wilden und freien Piraten auch ausgelassen und fröhlich sein können. Ansonsten dreht sich hier alles um Pippi Langstrumpf. Allerdings etwas abgewandelt von der Fußgruppe: da geht es um „Pipi auf der Kirmes“ und dem Problem, den Überdruck aufgrund zahlreicher Getränke wieder loszuwerden.  Auf den drei Wagendarstellungen können die Zuschauer alle Freunde Pippis und zahlreiche ihrer Abenteuer und Streiche entdecken. Da geht es mit dem Flieger oder dem Heißluftballon in die Lüfte und der Limonadenbaum spendet unendlich viel vom süßen Getränk.

Eine komplett verrückte Professorin schick die Kirmesgruppe Silschede in den Kirmeszug.  Ihre Sternendeutungen sind astrologisch skurril. Überhaupt geht es in der jüngsten Kirmesgruppe um das Weltall und den im Neon-Nebel der Gevelsberg-Galaxie schwebenden Himmelskörper SISCHEDIA. Lautstark mit Fässern als Trommel kommt die Fußgruppe daher. Sie sind der gelandeten Rakete entflohen, um richtig Stimmung zu machen. Die Kindergruppe als Mini lila Party-Crew feiert ausgelassen mit ewig guter Laune. Überhaupt ist die Farbe Lila allgegenwärtig. Das zeigt sich auch bei der Frauengruppe, die mit ihrem Space Shuttle vom Planeten zur Kirmes und zurück reist. Auf dem Wagen raucht und brodelt es und eine Raket hebt mit viel Qualm und Gedröhn ins All ab, während sich über dem Mann im Mond eine Sternkonstellation dreht.

Nach dem Umzug der Kirmesgruppe Hippendorf in ihr neues Domizil blieb verständlicherweise nicht viel Zeit für einen großen Wagenbau. Der Einzelgänger wird aber mit viel Schwung aus alt jung machen. Dazu animiert er Zuschauer, mit ihm ein Fitnessprogramm zu starten. Die Fußgruppe präsentiert, wie wandelbar Zeit ist und dass diese durchaus auch einmal stehenbleiben kann. Und dann gibt es noch eine Zeitbombe. Mehr wird hier nicht verraten.

Bienchen, soweit das Auge reicht. Bei der Kirmesgruppe Vie vam Kopp summt es an allen Ecken. Dass Bienen die kleinen Superhelden der Natur sind, zeigt die Kindergruppe. Als flotte Bienen und Honigbärchen kommt die Frauengruppe daher. Das sich beide gut verstehen können, wird tänzerisch dargeboten. Die beiden Wagen sind, was die baulichen Dimensionen angeht, echt am Limit. Der gut viereinhalb Meter hohe Bienenkorb, in dem der Aufgang zu einer Rutsche versteckt ist, besteht aus einer gut 300 Meter langen und mit echtem Stroh gefüllten Wurst aus Maschengewebe. Er wiegt 140 Kilo. Und die riesige Biene, die nicht nur ihre Brille anheben kann, sondern deren Flügel und Beine pneumatisch bewegt werden, misst stolze sechs Meter. Alles ist mit zahlreichen Bienen und Blüten bis ins Kleinste dekoriert. Etwas weg vom Bienenthema präsentiert sich die Fußgruppe: Dass es auf dem Bau mit Schüppe, Helm und Latzhose auch heiß hergehen kann, wird eindrücklich gezeigt. Der Einzelgänger spielt mit dem Publikum Roulette und es gibt sogar was Süßes zu gewinnen.

Die Einzelgängerin Uschi von der Kirmesgruppe Dä vam Lusebrink dreht als einsames Überbleibsel der Weihnachtspolonaise aus Dezember 2025 noch immer am Ennepebogen ihre Runden. Bei der Kindergruppe sitzt der Hüftschwung. Da ist es egal, wie alt man ist. Der Wagen der Kirmensgruppe zeigt das Treiben in der Gevelsberger Kult-Gaststätte „Waldschlösschen“. Wenn alles klappt, wird der Gastwirt Fritz Kartenberg mit seiner Lebensgefährtin Susanne Peralta auch auf dem Wagen mitfahren.

Diashow mit weiteren Bildern

Alle Fotos: Ralf Sichelschmidt

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