„Dä Tunnel is uns drietegal, dä Kiärmis löppet allemoal!”

Die Kirmes wurde gestern Abend punkt 20.07 Uhr mit drei Böllerschüssen „angeblasen”
(Text: Werner Bloemer | Fotos: Rita Wiemann)

Drei neue Gehilfen des Dorfschulzen, eine überaus gelungene „Premieren-Rede” des neuen Bürgermeisters Claus Jacobi und drei ohrenbetäubende Böllerschüsse: Gestern um 20.07 Uhr war die Gevelsberger Kirmes offiziell eröffnet. Der „kleine Kirmeszug” mit Kirmesvereinsvorstand, Blaukittelträgern, den Standartenträgern der 13 Kirmesgruppen, dem Drum- & Bugle-Corps Fidele Vogelsanger, der Spielleutevereinigung und dem Hammerschmied zog bei 32 Grad Hitze vom Bürgerzentrum über die Kirmes bergauf zur Kirmesmauer. Einen Schluck zur Stärkung gab’s an der Kirmesterrasse, wo Gert Henschen ein Mini-Feuerwerk abbrannte.

Gerd Laake, der Vorsitzende des Kirmesvereins, begrüßte im Dorf viel Volk und betonte die Wichtigkeit der Frauen für die Kirmes – er erinnerte an ein „Guten Morgen” in der WP, wonach ein (akustisch falsch verstandener) „Schweigekurs für Frauen” keine Chance hatte – warum auch, die Frauen werden gebraucht und sollen natürlich auch reden. Launige Worte fand auch Hammerschmied Michael „Willi” Sichelschmidt: Jetzt muss ich mit dem Altbürgermeister die Kirmes rauflaufen, habe er kurz gedacht. Und dann: Der neue Bürgermeister denkt sicher, oh Härrohäh, was bin ich mit einem alten Hammerschied unterwegs . . .

Das WDR-Fernsehen, live beim Anblasen auf Sendung, interviewte „Willi”, der die Tradition der alten Hammerwerke an der Ennepe erklärte und für die Kirmes warb: www.kirmesverein.de. Schaustellersprecher Bernd Alexius strich die Gevelsberger Kirmes als wichtigen Wirtschaftsfaktor heraus. Heute kämen zwar nicht weniger Leute – „aber die haben weniger Geld in der Tasche”.

Seine drei neuen Gehilfen, die Michael Sichelschmidt in seiner Funktion als Dorfschulze dann mit Blaukittel, Halstuch und Urkunde ausstattete, kennt wohl jeder: Polizeihauptkommissar Günther Hauk, der über 30 Jahre die Kirmes beruflich begleitete und Ende Juli in den Ruhestand geht, Ex-Stadtbrandmeister Karl-Heinz Jordan und Altbürgermeister Dr. Klaus Solmecke.

Auch angesichts der gestiegenen Diesel-Kosten die Standgebühren nicht zu erhöhen, war eine ernste Bitte von Bernd Alexius an den neuen Bürgermeister und alten Kirmesfreund Claus Jacobi. Gerd Laake konnte das unterstreichen und regte einen Flugplatz für die vielen Kirmes-Besucher an. Jetzt wolle der Kirmesverein schon einen Flugplatz haben, meinte Jacobi in seiner viel beklatschten „Antrittsrede” beim Anblasen, wo er doch schon froh sei, wenn er den Tunnel fertig bekomme. Es sei schon eine alte Tradition, zu Kirmesbeginn zu sagen, wann es soweit sei. Jacobi: „Et düert noch’n bisken”. Das Kirmesmotto hatte er entsprechend auch schon geändert: „Dä Tunnel is uns drietegal, dä Kiärmis löppet allemoal!” Lauter als der Beifall waren dann nur noch die drei Böllerschüsse. Morgen, auch das sagte er noch, erwarte uns ein „sensationeller Kirmeszug”. Und auch damit hat er Recht.

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