Gaststätte Glimm ziert den Kirmeskrug

Am Freitagabend lüftete der Gevelsberger Kirmesverein das Geheimnis um eines der wohl beliebtesten Sammlerstücke rund um die schrägsten Kirmes Europas. In diesem Jahr ist es die Traditionsgaststätte Glimm, die den Gevelsberger Kirmeskrug ziert. „Sie gehört zu Gevelsberg wie die Kirmes und deshalb wollten wir dieser traditionellen Kneipe mit dem aktuellen Kirmeskrug auch ein Denkmal setzen“, sagte Markus Loetz, Vorsitzender vom Gevelsberger Kirmesverein.

Und wenn man sich dort so umschaut, dann stellt man rasch fest, dass diese Gaststätte an ihrem alten Charme nichts verloren hat. Anders ausgedrückt: Hier in der Mittelstraße 55 wird beileibe noch Gevelsberger Geschichte gelebt.

Historische Familiengeschichte

1904 wurde die Gaststätte unter dem Namen „Zum Taubenschlag“ von Lina und Fritz Glimm eröffnet, den Großeltern des heutigen Besitzers. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Staffelstab dann an Hermann Karl und seine Frau Emmi übergeben. Und deren Sohn Hermann wusste vieles zu berichten, auf die Frage nach der Chronik seiner Familie.

Für Hermann Glimm ist es etwas besonders und eine Ehre, 
dass seine Gaststätte, 
die seiner Familie, 
den Gevelsberger Kirmeskrug 2020 ziert.

So erinnerte er sich zum Beispiel noch sehr gut an das Ende des Zweiten Weltkrieges. Er war kaum zehn Jahre alt, doch die deutschen Soldaten, „die hinten im Zimmer einquartiert waren“, sind „mir immer noch im Gedächtnis“. Und auch dass es schwierig wurde, als sein Vater in Kriegsgefangenschaft war und seine Mutter mit der Großmutter alleine in der Gaststätte arbeitete.

Anfang der 1950er Jahre erhielt die Gaststätte schließlich den Familiennamen „Glimm“. Viele Vereine gingen damals dort ein und aus, zum Beispiel die Feuerwehr sowie Gesangsvereine oder Stammtische.

Seine Mutter Emmi Glimm galt sogar als „die freundlichste Wirtin Gevelsbergs“. Denn sie und ihr Ehemann Hermann Karl gaben dem einstigen „Taubenschlag“ den Ruf der gut bürgerlichen Gaststätte an der Gevelsberger Mittelstraße – ein Ruf, der die Stammgäste auch heute noch in die gute Stube lockt.

„Viele treue Gäste sitzen in ihren Ecken, erinnern sich an die alten Zeiten, erzählen sich Dönekes und pflegen unser Platt“, erzählte Hermann Glimm, während er ein kühles Blondes aus dem Zapfhahn in ein Glas laufen ließ. Eines Tages wird aber auch er den Schlüssel aus der Hand geben, „daran denke ich aber noch lange nicht“.

Verkauf ist gestartet

Normalerweise wird der Kirmeskrug ja in der Dortmunder Brauerei präsentiert. Aufgrund der Corona-Pandemie war dies allerdings nicht möglich war. Gemeinsam mit seinem Vorstand, usse Hamerschmiett Bernd Matthäi und Volker Nagel von der Dortmunder Brauerei „Brinkhoff´s No.1“ überreichte Markus Loetz den ersten Krug dann auch direkt vor Ort an Hermann Glimm.

„Ich freue mich sehr, dass meine Gaststätte in diesem Jahr auf dem Gevelsberger Kirmeskrug zu sehen ist. Schade ist es natürlich, dass die Kirmes aufgrund von Corona ausfallen muss“, sagte der 85-jährige ein wenig traurig aber sichtlich stolz

Seit 1984 gibt es den Gevelsberger Kirmeskrug, auf dem seit 2018, mit einer Zeichnung des Künstlers Andreas Noßmann, Gevelsberger Traditionsgaststätten verewigt werden. Den Auftakt machte vor zwei Jahren die Gaststätte „Unter den Linden / Apfelbaum“, im vergangenen Jahr war die „Juliushöhe“ auf dem Krug zu sehen.

Das aktuelle Sammlerstück kann ab sofort bei Getränke Rehfeld für 14 Euro käuflich erworben werden. „Wir möchten uns noch einmal bei Volker Nagel von der Brauerei recht herzlich bedanken, dass man die Tradition der Krüge fortführt und bei Marco Rehfeld für den Verkauf“, sagte Markus Loetz abschließend und versprach, dass man die offizielle Vorstellung mit Vertretern der zwölf Kirmesgruppen, aus dem Präsidium, dem Bewertungsausschuss und der Zugleitung irgendwann im Herbst nachholen werde.

„Denn unser aller Kirmesvirus ist stärker als jede Pandemie – in diesem Sinne: ein dreifach, kräftiges Rupp di Tupp.“

Text/Fotos: André Sicks

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