Rund 680 Neubürger an den Kirmestagen

170 Unternehmen sind auf dem Jahrmarkt vertreten. Allein 20 Fahrgeschäfte locken die Besucher an
(Text: Klaus Bröking | WP/WR)

Gevelsberg. „Da zieht schon ab Dienstag eine kleine Stadt bei uns ein“, macht Uwe Jesinghaus von der Stadtverwaltung den Aufwand bildlich deutlich, der mit der Gevelsberger Kirmes verbunden ist. Insgesamt 170 Unternehmen wollen nicht nur einen Platz für ihre Attraktionen, sondern auch für ihre Wohnwagen haben. Darunter sind in diesem Jahr allein 20 Fahrgeschäfte. Da ist Zentimeterarbeit gefragt. Der Gevelsberger Kirmesexperte Jesinghaus rechnet, dass zu jedem der reisenden Unternehmen „im Durchschnitt vier Menschen gehören“. So kann sich Gevelsberg ein paar Tage lang sozusagen über 680 Neubürger freuen. Am Dienstag, ab 14 Uhr, wird das Gelände vom Ordnungsamt gesperrt, dann werden die meisten Schausteller auf einmal „einziehen“.

Eine Mammutaufgabe für die Stadtverwaltung. Damit möglichst alles reibungslos läuft und ein Chaos verhindert wird, trafen sich die Schausteller gestern zur Platzverteilung an der Erlöserkirche mit Vertretern des Gevelsberger Ordnungsamtes. Wegen der Hochwasserlage waren allerdings nicht viele Unternehmer zu dem Termin gekommen. Vor überfluteten Straßen und vollgelaufenen Kellern müssen selbst die abgehärtetsten Kirmesleute kapitulieren.

„Wir wollen nicht hoffen, dass wir auf der Kirmes so ein Wetter wie heute haben“, begrüßte Ordnungsamts-Leiter Arnim Schäfer die fahrenden Unternehmer. Im Augenblick gehen die Langzeit-Prognosen allerdings von idealem Kirmes-Bedingungen aus. Es könnte also bis in die Nächte gefeiert werden. Es gibt zwar keine Sperrstunde, dafür aber Einschränkungen: „Die Musik darf in der Nacht zu Samstag und Sonntag bis 1 Uhr laufen, sonst bis 24 Uhr.“ Die Bässe sollten ab 22 Uhr heruntergefahren werden, um die Anwohner der Kirmes nicht allzu sehr auf die Nerven zu gehen. Mit diesen Vorschriften würden die einheimischen Gastwirte jedoch lockerer umgehen als die Schausteller, war man sich einig.

Gewarnt wurde auch vor dem Blockieren der Rettungswege durch die Autos der Schausteller und den Verletzungsgefahren durch Glasbruch. „Die meisten Scherben stammen nicht von Gläsern, sondern von mitgebrachten Flaschen, die zerschlagen werden. Das haben wir an unserem Autoskooter beobachtet“, glaubt Schausteller Bernd Alexius. Alle hoffen auf eine fröhliche und friedliche Kirmes in Gevelsberg. Bei 170 Unternehmen sollte es natürlich auch 170 Attraktionen für die Besucher geben. Ich freue mich besonders darüber, dass wir in diesem Jahr wieder ein Riesenrad dabei haben“, sagt der Uwe Jesinghaus vom Ordnungsamt. Das Fahrgeschäft ist nun einmal das Symbol jedes Jahrmarktes. Die Familie Göbel aus Worms, die in Gevelsberg mit ihrem Geschäft gastiert, hat eine Jahrmarkts-Tradition, die bis auf das Jahr 1894 zurückreicht. Sie betreibt neben anderen Fahrgeschäften insgesamt drei Riesenräder.

Das spektakulärste Fahrgeschäft, so sind sich Jesinghaus und sein Chef einig, ist der Air Crash. In 40 Metern Höhe werden die Menschen mit einer Geschwindigkeit von rund hundert Stundenkilometern durch die Luft gewirbelt. Das Geschäft eines Schaustellers aus Mayen hat schon den Besuchern der Voerder Kirmes den Atem stocken lassen.

Einmalig ist der X-Factor auf der Timpenkreuzung, der seine Gäste sozusagen auf die Zuschauer zuschleudert. Beim Remmi Demmi vor der Einfahrt zum Tunnel wird der Mensch in einer Art modernem Irrgarten durchgeschüttelt. Als Action Center bezeichnet Thilo Janßen aus Rastede selbst sein Geschäft. Fast genauso wie das Riesenrad gehört der Autoskooter des Ennepetalers Bernd Alexius zur Gevelsberger Kirmes. Und natürlich gibt es auch viele Fahrgeschäfte, die ihre Gäste gar nicht so rasant durch die Luft wirbeln wollen und sich speziell an Kinder richten.

Und worauf freut sich Ordnungsamts-Leiter Arnim Schäfer am meisten? „Eigentlich habe ich bei der Kirmes die Hände voll zu tun. Ich bin allerdings gespannt auf das Feuerwerk. Im vergangenen Jahr wurde es wegen des schrecklichen Unfalls abgebrochen. Diesmal wird es somit eigentlich nachgeholt. Die Choreographie dafür wurde nicht verändert.“

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