Vorstandwahlen mit turbulenter Entwicklung

„Es sind noch 148 Tage bis zur wohl schrägsten Kirmes Europas.“ Mit diesem Satz eröffnete der 1. Vorsitzende Markus Loetz pünktlich um 19 Uhr die Jahreshauptversammlung des Gevelsberger Kirmesvereins in der Feuerwache des Löschzuges 1 der Stadt Gevelsberg. Zunächst entschuldigte er den Bürgermeister Claus Jacobi, der parallel bei der Veranstaltung der Hippendörfer zur Verleihung des karnevalistischen Ordens „Freunde und Frohsinn“ weilte.

Bevor Markus Loetz zum 7. Mal in seiner Funktion als Vorsitzender den umfangreichen Jahresbericht des Vorstandes verlas, erhoben sich alle Anwesenden zu einer Gedenkminute für die im letzten Jahr verstorbenen Kirmesfreunde.

Aufgrund zahlreicher Ereignisse rund um die Kirmes und den Kirmesgruppen zog sich dieser Tagesordnungspunkt. Darunter auch die neuen Vorgaben der Landesregierung bezüglich der umfangreichen Überprüfung und Zulassungsverfahren für die Kirmeswagen. Nach dem Kassenbericht durch den Beisitzer Finanzen, Oliver Stippe und dem Revisionsbericht von Brigitte Benkenstein von der KG Vie vam Kopp, erteilte die Versammlung Oliver Stippe (Finanzen) und dem Geschäftsführer Dirk Henning die Entlastung. Es folgte die Entlastung des Gesamtvorstandes.

Turnusmäßig standen in diesem Jahr alle Posten des Vorstandes zur Wahl an. Als Wahlleiter fungierte einmal mehr das Kirmesurgestein Horst-Dieter Erdelt. Für das Amt des 1. Vorsitzenden gab es neben dem Vorschlag der Wiederwahl mit Markus Loetz keine weiteren Vorschläge. Er wurde einstimmig im Amt bestätigt. Bei der Wahl des 2. Vorsitzenden gab es neben dem Vorschlag der Wiederwahl mit Marc Baron allerdings einen weiteren Vorschlag. Der Sprecher des Präsidiums, Dietmar Kreßmann, schlug hier den Beisitzer Oliver Stippe vor. „Marc Baron konnte aufgrund seiner beruflichen Verpflichtungen häufig bei Sitzungen nicht teilnehmen“, so die Argumentation für den Gegenkandidaten. Bevor es allerdings zur Abstimmung kam, ergriff Marc Baron selbst das Wort. „Der Vorsitzende und der Geschäftsführer haben mir vor 30 Stunden vorgegeben zu sagen, dass ich für das Amt aus beruflichen und privaten Gründen nicht mehr zur Verfügung stehe. Anschließend verließ er den Vorstandstisch und nahm in der Versammlung Platz.

Dies sorgte bei den Anwesenden für Verwirrung. Ohne dass hier näher auf die Umstände eingegangen wurde, wählten die Anwesenden Oliver Stippe mit drei Enthaltungen zum neuen 2. Vorsitzenden. Für den Posten des Geschäftsführers gab es dann wieder nur den Vorschlag der Wiederwahl. Dirk Henning wurde mit sechs Gegenstimmen und sieben Enthaltungen im Amt bestätigt.

Für die ausscheidende Beisitzerin Petra Ellerkmann übernimmt der Leiter der Zugleitung, Tobias „Texel“ De Heel, den Posten. Ebenfalls den Vorstand verließ auch Beisitzer und Jugendwart Felix Gromm. Für ihn wurde mit acht Enthaltungen Nicole Bölling berufen. Beisitzerin Melanie Gusowski bestätigte die Versammlung mit einer Enthaltung im Amt. Dann kam der nächste Paukenschlag: Beisitzer und Dorfschulze Sascha Hilger legte ebenfalls seine Amtsgeschäfte nieder. In der Funktion des Beisitzers konnten sich die Anwesenden dann mit einer Gegenstimme und fünf Enthaltungen für Andreas Alexius einigen. Als weiterer Beisitzer kam mit sechs Enthaltungen auch noch Manfred Bärenfänger neu in den Vorstand.

Als dann auch der erst 2023 ins Amt eingeführte Hammerschmied Lutz Kornowski „den Hammer niederlegte“, war das Erstaunen sehr groß. Denn die Symbolfigur der Stadt Gevelsberg steht ja nicht zur Wahl, sondern wird normalerweise über einen größeren Zeitraum von einer Person ausgelebt.

Nach diesen turbulenten Entwicklungen stand die Ehrung von Horst-Dieter Erdelt an. Er scheidet aus dem Präsidium des Gevelsberger Kirmesvereis aus. Über 60 Jahre intensivste Kirmesaktivität in verschiedenen verantwortlichen Positionen machen ihn, wie bereits erwähnt, zum Urgestein der Kirmes. Vorsitzender Markus Loetz und auch der Sprecher des Präsidiums, Dietmar Kreßmann, überreichen ihm einen Umschlag. „Als ich in der Kirmes begann, gab es keine Handys oder Computer“, so der Geehrte. „Ich wünsche allen für 2026 viel Erfolg in den Kirmesgruppen und freue mich beim Kirmeszug schon auf die Lücken!“

Präsidiumssprecher Dietmar Kreßmann (rechts) überreicht Horst-Dieter Erdelt ein Abschiedsgeschenk Foto: RaSi

Ein Highlight sind bei der Jahreshauptversammlung immer die „Wech“-Runden, wenn es um das neue Motto der Kirmes geht. Selbstverständlich verlas die Vorschläge, wie bereits seit vielen Jahren, Horst-Dieter Erdelt. Gab es im letzten Jahr noch 46 Vorschläge, kamen jetzt 19 in die Auswahl. Bereits in der ersten „Wech“-Runde fanden nur fünf die Gunst der Anwesenden. In der zweiten Runde fielen noch einmal drei raus. Mit großer Mehrheit gewann letztendlich durch Abstimmung der Vorschlag:

„Wat sall ek dann am Ballermann, wann ek op dä Kiärmis kann“

Nicht nur vorgelesen, sondern auch vorgeschlagen von Horst-Dieter Erdelt! Der Vorschlag von BWA-Mitglied Werner Tasbier landete auf Platz zwei. Alle sprachen sich anschließend wieder für Kirmesplaketten aus. Den Hinweis von BWA-Mitglied Thomas Meckel aufgreifend, sollen wesentlich mehr Plaketten erstellt werden.

Traditionsbedingt besteht das Präsidium aus sieben Mitgliedern. Für den ausgeschiedenen Horst-Dieter Erdelt übernimmt einstimmig Michael Sichelschmidt den Sitz.

Anschließend informierte Markus Loetz kurz darüber, dass es mit der Kirmesgruppe „Vie ut Asbieck“ wahrscheinlich weiter geht. Loetz: „Wie, kann ich jetzt aber noch nicht sagen.“ Nachdem Geschäftsführer Dirk Henning die bisher vorliegenden Themen für den Kirmeszug verlesen hatte, ging es um die Gäste im Zug.

Da die Gymnasien in diesem Jahr wieder von G8 auf G9 erhöhen, gibt es keinen Abi-Jahrgang und somit auch keinen ABI-Jahrgangswagen. Andreas Linke erläuterte hierzu einen Vorschlag, um die Schülerinnen und Schüler des nächsten Abi-Jahrgangs trotzdem in der Kirmeszug zu integrieren. Per Losverfahren können die Schülerinnen und Schüler bei den einzelnen Kirmesgruppen ein aktives Praktikum absolvieren. Sie helfen auf den Bauplätzen mit, bekommen tiefe Einblicke in das Kirmesgruppengeschehen und erarbeiten sich so die Teilnahme in der jeweiligen Gruppe im Zug. „Mit circa 100 Schülerinnen und Schülern ist dies eine gute Gelegenheit für alle Gruppen, vielleicht auch neue junge Mitglieder zu gewinnen“, so Andreas Linke. „Sie haben großes Interesse signalisiert.“ Jede Kirmesgruppe soll einen Ansprechpartner für die Jugendlichen dem Vorstand melden, selbstverständlich haben auch die Gevelsberger Musikvereine hier Bedarf.

Neben den Bambinis der Feuerwehr, die gesetzt sind, möchten auch die Taubenväter zum 40-jährigen Jubiläum mit einer Fußgruppe teilnehmen. Eine weitere Anfrage lag von der ev. Stiftung Volmarstein (Fußgruppe mit Rollstuhlfahrern) und dem FC Silschede (100 Jahre Vereinsjubiläum) vor. Allen wurde eine Teilnahme zugesprochen. Die Vespa Roller, im letzten Jahr erstmalig dabei, dürfen ebenfalls teilnehmen. Allerdings nicht mitten im Zug, sondern am Ende zusammen mit den Trecker Freunden.

Bezüglich der Rückvergütung an die Kirmesgruppen durch die Krombacher Brauerei hatte Geschäftsführer Dirk Henning gute Nachrichten. Der Verzehr lag mit 201 Hektoliter deutlich über dem festgelegten Limit von 155 Hektolitern. Somit wird es demnächst Geld von der Brauerei für die Gruppen geben.

Gerne können die Kirmesgruppen beim 2. Kirmes-Opening in der Halle West am 13. Juni eigene Beiträge für das Programm beisteuern. Vorschläge nimmt der Vorstand entgegen. Auch 2026 spielt die Band „Lecker Nudelsalat“ wieder auf. Die Kartenvorbestellungen nimmt der Vorstand ab diesem Monat entgegen. Nach den Meldungen für die Goldene Ehrennadel (20 Jahre) und 50 Jahre im Kirmesgeschehen, kam der abschließende Punkt „Anregungen, Mitteilungen und Informationen“.

Markus Loertz verwies noch einmal auf die Möglichkeit, sich Tische und Bänke für Festivitäten ausleihen zu können. Ansprechpartner ist der Vorstand und Ralf Gerke von der KG Börkey. „Allerdings ist dies nicht mit einem Hol- und Bringservice verbunden“, so Loetz. Auch sind die Utensilien etwas in die Jahre gekommen und müssten aufbereitet werden. Wer sich da beteiligen möchte, soll sich melden.

Ein weiterer Vorschlag aus der Versammlung betraf das Kirmes-Opening. Es sollte doch möglichst noch ein Treffen für eine Manöverkritik geben, damit an der ein oder anderen Stelle nachgebessert werden kann.

Großes Unverständnis gab es zu den Ereignissen rund um die Wahlen und Rücktritte. Da vermissten viele in der Versammlung eine Stellungnahme oder zumindest erklärende Worte durch den Vorstand. Sogar die Wahlentscheidung vor den überraschenden Rücktritten hätten einige dann wohl überdenken wollen. Hier wurde die fehlende Kommunikation angeprangert. Der Hinweis vom Vorsitzenden Markus Loetz, dies in der nächsten Sitzung aufzuarbeiten, reichte den meisten an dieser Stelle einfach nicht aus.

Bei dem Kirmeszug im letzten Jahr gab es Verzögerungen, weil einige für die Kirmeswagen vorgesehenen Trecker von der Polizei nicht durch die Absperrungen gelassen wurden. Ein Vorschlag aus der Versammlung, die Trecker mit einem der Polizei bekannten Passierschein auszustatten, will der Vorstand aufgreifen.

Für die zwei ausscheidenden Zugleiter wurde zunächst als Praktikant schon einmal Stefan „Geppi“ Geppert vorgeschlagen.

Die in Teilen turbulente Jahreshauptversammlung beendete der 1. Vorsitzende nach fast zwei Stunden mit einem dreifachen „Rupp di Tupp“.

Am Tag nach der Versammlung hat sich der ehemalige Hammerschmied Bernd Matthäi dazu bereiterklärt, sein altes Amt zunächst wieder übergangsweise für 1 Jahr aufzunehmen.

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