14 100 Euro für Schausteller – Alexius kämpft mit den Tränen

Beschaulich und ruhig liegt der Kirmesplatz heute im Herzen der Stadt. Wo zu normalen Zeiten am letzten Tag der Gevelsberger Kirmes noch einmal so richtig die Post abgehen und es nach Popcorn und anderen Leckereien duften würde, hört man stattdessen die Vögel zwitschern. Für einen wahren Kirmesfreund völlig surreal.

Nur einige Mitglieder vom Vorstand des Gevelsberger Kirmesvereins in ihren traditionellen Blaukitteln zeugen davon, dass hier mit der schrägsten Kirmes Europas das wichtigste Fest des Jahres schlicht und ergreifend fehlt.

Die weltweite Corona-Pandemie zwingt alle dazu, die geliebte Kirmes nur in den Herzen stattfinden zu lassen. Traditionell danken die Schausteller jedes Jahr bei der Siegerehrung des Kirmeszuges den Kirmesgruppen für ihr Engagement, indem sie sich bei der Spendensammlung durch den Dorfschulzen in Begleitung des Schaustellersprechers Andreas Alexius nicht lumpen lassen. So ließen sie im letzten Jahr die stolze Summe von 7050 Euro durch Alexius überreichen.

Da lag es nicht fern, dass es in diesem Jahr einmal umgekehrt laufen sollte oder besser „musste“. Einfach etwas zurückzugeben und auf diese Weise noch einmal „Danke“ zu sagen, war der Motor der Aktion. Der Kirmesvorstand und die Stadt Gevelsberg riefen alle Kirmesgruppen, Kirmesfreunde und Bürger auf, den Schaustellern ihre Wertschätzung für das Engagement zuteil werden zu lassen. Immerhin haben diese zurzeit einen Totalausfall zu verzeichnen.

Am letzten Tag der Gevelsberger „Kirmes in den Herzen“, sollte das Herz aller Kirmesfreunde sprechen und das gesammelte Geld übergeben werden.

„Es ist ein kleiner Tropfen auf einem großen Stein“

„Das Telefon stand kaum still“, berichtete der 2. Vorsitzende Andreas Kalin über die gute Resonanz der Aktion. „Es ist ein kleiner Tropfen auf einem großen Stein.“ Andreas Alexius formulierte es gleich um: „Es ist eine große Wertschätzung für das, was wir in den Jahren zusammen gemacht haben.“

Dies konnte Geschäftsführer Carsten Neef nur unterstreichen. An Alexius gerichtet: „Weißt du noch was wir im letzten Jahr von euch für die Kirmesgruppen bekommen haben? Es waren genau 7050 Euro!“

Dann zog er einen Zettel nach dem anderen aus einem Umschlag. Beginnend mit der letzten Zahl der Summe. Erst kam eine 0, dann noch eine 0 und anschließend eine 1. Als Carsten Neef den letzten Zettel mit einer 14 zog und sich daraus die Summe von 14100 Euro ergab, fehlten Andreas Alexius, den sonst so leicht nichts aus der Bahn wirft und der eigentlich nie um einen coolen Spruch verlegen ist, nicht nur die Worte.

„Da muss ich erst einmal durchatmen“, so der Schaustellersprecher, der gerührt ein paar Tränen verdrücken musste. Andreas Alexius weiter: „Das ist überwältigend. Wir hatten schon im Kreis der Schausteller ein wenig spekuliert. Aber dieses Ergebnis übertrifft bei weitem alle Erwartungen.“

Da konnte ihm Bürgermeister Claus Jacobi nur zustimmen. „Unser Dank gilt allen Spendern. Den Akteuren ist es gelungen, im Vorgriff und im Nachhinein die Stimmungslage und auch den Wehmut über die ausgefallene Kirmes nach vorne zu bringen. Sonst wäre dieses Ergebnis nicht zustande gekommen.“ Dabei steuerten die Bürgerinnen und Bürger circa 95 Prozent der Summe bei. Den Rest stockte der Kirmesverein mit der Stadt Gevelsberg auf. Ein klares Signal, dass alle hinter der schrägsten Kirmes Europas stehen.

Sofort richtete der Bürgermeister den Blick direkt nach vorne. „Wir müssen jetzt etwas für die Zukunft tun. Wenn wir den Schaustellern nicht helfen, ist es mit der Kirmes vorbei.“ Dabei appellierte er auch an die Politiker der Landes- und Bundesregierung. Alle müssten sich Gedanken machen, um die Existenzen der Schausteller mit neuen Konzepten zu retten

Planungen für Kirmes 2021 müssen bereits jetzt beginnen

„Wir müssen jetzt – also viel früher als sonst – mit der Planung der Kirmes 2021 beginnen und verschiedene Szenarien entwickeln“, so Jacobi weiter. Am Ende müsse dabei ein Ergebnis stehen, das den Namen „Gevelsberger Kirmes“ auch verdient. Zum Abschluss werden, so versicherte Claus Jacobi, die Schausteller bei der nächsten Kirmes eine für alle gleich reduzierte Standgebühr entrichten müssen.

Jacobi: „Nach der Kirmes ist vor der Kirmes. Wir müssen und werden jetzt mit den Planungen beginnen.“ Noch ein Jahr ohne Kirmes? Das kann sich keiner vorstellen.

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