Die Geschichte zum Kirmeskrug 2017

Text: Hans-Heinrich Lesker | Fotos: Werner Bloemer


Zunächst ein paar allgemeine Anmerkungen zum Thema Kirmes und Kirmes im Dorf, um den Bericht zum Kirmeskrug 2017 zu erläutern.

Die Bezeichnung Kirmes kommt von Kirchmesse
= Kirchweihfest – in unserem Raum seit dem 16. Jahrhundert nachgewiesen
= daraus (auch parallel) entwickelten sich Jahrmärkte
= Krammärkte (Erwähnung in Gevelsberg seit 1655 bekannt)
= und letztlich Kirmessen.

Unsere Gevelsberger Kirmes ist älteren Datums als unsere Heimatstadt Gevelsberg

Zum 01.03.1886 erhielt die Stadt Gevelsberg die Stadtrechte, seit 1903 gibt es ein dazugehöriges Wappen. Die uns bisher bekannte „älteste“ Kirmes in Gevelsberg fand statt am 15./16. September 1796 am Nirgena. Die Bezeichnung Kirmes läßt aber den Schluß zu, daß die Ursprünge der heutigen Gevelsberger Kirmes älteren Datums sein könnten. Dazu sind bisher keine Aufzeichnungen gefunden. Es gäbe also ggf. noch Lücken zu füllen.

Nach 1800 Kirmes im Dorf – Standort wohl besser geeignet

Kirmes im Dorf = „Gerechtsame“ der um 1800 gegründeten Wassergenossenschaft zur Versorgung des Dorfes – Wasser – Brandteich – (z.B. Recht zum Betrieb oder zur Nutzung) = Kostendeckung u. a. aus Einnahmen Kirmesstandgeldern. U.a. Hölzerne Röhren + tönerne Röhren – Blei u. a. zu teuer. Das von den Schaustellern aufgebrachte Standgeld führte wiederholt auch zu Begehrlichkeiten seitens der Kommunen, die darin für sich eine gute Einnahmequelle sahen. Die Gemeinde Mylinghausen (Vorgängerin der Stadt Gevelsberg) vereinnahmte z. B. in den Jahren 1812 – 1820 sogar diese Gelder. Im Jahre 1840 versuchte man erneut seitens des Amtes Ennepe die Gelder in die eigene Kasse zu bekommen. Die Oberbehörde lehnte dieses Ansinnen jedoch ab.

Nach 1900 gab es andere Probleme mit der Kirmes im Dorf. Wegen Verkehrsproblemen auf der Elberfelder Str. sollte die Kirmes aus dem Dorf entweder zur damaligen Ziegelei an der Rosendahler Str. oder zum Nirgena verlegt werden. Die Dörfler protestierten jedoch energisch, es gab Protestumzüge.

Seinerzeit war es in Mode sogenannte Matinee-Veranstaltungen – Vormittagsveranstaltungen – zu organisieren. Das kam natürlich (möglicherweise) der Gevelsberger Männerwelt zu Pass.
„Dä Kiärmis ut däm Duorpe –nümoals- dat möchen vie verhinnern. Doa makt vie (Matinée) Protest. Das Dorf hatte seinerzeit einige (legendäre) Gastwirtschaften auf der Elberfelder Str. Hier seien erwähnt (Van unnen noa uowen): „Steedes Domhotel„, „Heiden“(Bleikammer), Saure, „Dorfkrug“, „Stupprock“ (eine Zeitlang war einer der Brüder Hans-Werner Kullings der Wirt). Man zog also – manchmal mit Musik – „protestierend“ von Gastwirtschaft zu Gastwirtschaft. Man kann ohne Zweifel konstatieren, daß es auf diesen „Protestveranstaltungen“ lustig und sicherlich sehr „feucht“ zuging.

Die Kirmes blieb im Dorf

In manchem Gevelsberger Haushalt wird da „Ruß in dä Kü’ecke gewiäß sein“. Ergebnis aber = Die Kirmes blieb im Dorf. Es gab noch andere Versuche die Kirmes aus dem Dorf zu lösen. Auch in neuerer Zeit. Bis heute blieben jedoch alle erfolglos. Die Kirmes gehört ins Dorf und sie bleibt im Dorf. Darin ist sich wohl die große Mehrheit aller Gevelsberger einig. Durch Urkundenvertrag vom 27. Mai 1938 gingen die Rechte der bereits erwähnten Wassergenossenschaft auf die Stadt Gevelsberg über; Ziff. 8 des Vertrages: „Mit Übernahme aller Kirmesrechte, den Ansprüchen auf die Platzvermietung usw. nach Abs. 1 übernimmt die Stadt die Verpflichtung für alle Zukunft, soweit die ortsübliche Kirmes begangen wird, diese im Gebiete der Oberstadt abzuhalten. Die Stadt wird nach dem Wunsche der Genossenschaft an der Schultenstraße oder im Stift einen Kirmesplatz erwerben, soweit diese Erwerbung nicht an unzumutbaren Bedingungen scheitern sollte. Nach meiner Auffassung sind der Erhalt von Geschichte und Geschichten nicht unwichtig; Denn: „Wer seine Vergangenheit kennt, weiß wie er seine Zukunft gestalten sollte!!

 

 

 

 

Weitere Impressionen von der Kirmeskrugfete 2017

 

 

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