Im Pott ist bald endgültig „Schicht im Schacht“

Das Ruhrgebiet gründete auf der Kohle: Der heimische Energieträger hatte die Region zu einer Millionenmetropole gemacht und Generationen von Bergleuten Arbeit gegeben. Bis zu 600.000 Menschen arbeiteten in Hochzeiten in den zahlreichen Zechen der Metropole Ruhr. Am 21. Dezember diesen Jahres ist nun allerdings Schicht im Schacht auf der letzten deutschen Zeche „Prosper-Haniel“ in Bottrop. Der Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet wird damit nach rund zweihundert Jahren Geschichte sein und eine Ära zu Ende.

Auch in Gevelsberg gab es eine Zeche namens „Vereinigte Trappe“, die im Jahre 1846 aus den Zechen „Trappe“ und „St. Peter“ konsolidierte. Sie befand sich auf einem Gelände an der Esborner Straße in Gevelsberg-Silschede, auf dem heute die Firma Schäfer & Flottmann sitzt. Den durch die Harkort´sche Kohlenbahn und den Anschluss an die Eisenbahn von Schee verbesserten Absatzmöglichkeiten begegnete man damals mit dem Abteufen des Tiefbauschachtes Voerster nördlich von Silschede bis in 250 m Tiefe. Jedoch waren die Kohlevorräte gegen 1925 abgebaut, so dass die „Gewerkschaft König Ludwig“ die Zeche aufkaufte und im selben Jahr still legte.

Wagendarstellung: Schicht im Schacht

Beim diesjährigen Kirmeszug erinnert die Kirmesgruppe „Berge“ noch einmal an diese historische Arbeitsstätte und an all jene Bergleute, die Tag für Tag, bedeckt mit schwarzem, schmierigem Steinkohlestaub, die Kohle zu Tage förderten. Dabei werden sich noch einmal die Räder des Förderturms drehen und man wird Zeuge wie eine Lore durch den dunklen Schacht geschoben wird, während im Hintergrund das „Steigerlied“ zu hören ist.

Im Pott ist bald endgültig „Schicht im Schacht“„Arbeit vor Ort“ wurde es damals genannt. Man schaufelte Steine, auf den Knien liegend oder vielleicht stehend, den Oberkörper weit nach vorn gebeugt. Mit jeder Schaufel trieb der Schieferstaub in die Höhe und bedeckte das Gesicht eines Kumpels, über das vom Lederhelm herab der Schweiß in Strömen rann. All dies beim Staub des zerbrechenden Kohlenflözes, beim Lärm der Presslufthämmer und der Rutsche.

Schon zur damaligen Zeit sagte man: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Und so nahmen es auch die Kumpels unter Tage. Nach ihrem harten Arbeitstag ging es zunächst einmal in die hell erleuchtete Waschkaue. Schon beim Eintreten schlug ihnen dort ein warmer, süßlicher Dunst entgegen – ein Gemisch aus Wasserdampf, Schweiß und Kohlenstaub.

Solch ein Badebassin lieferte Außenstehenden oftmals einen verblüffenden Anblick: unter der hohen Decke hingen nämlich hunderte Kleiderbündel dicht beieinander. Nach dem Duschen ließ man mittels einer langen Drahtkette ein Bündel mit seinem „Zivilzeug“ herunter. Um sich den Staub aus der Kehle zu spülen, schwemmten die Bergmänner allabendlich vom Schacht direkt in eine Schänke, Oftmals hatten sie am Ende der Woche keine Kohle mehr und nach dem Glückauf einen Schluckauf, wenn sie Muttern die abgeteufte Lohntüte präsentierten.

„Und kehr` ich heim zur Liebsten mein, dann erschallet des Bergmanns Gruß bei der Nacht: Glück auf, Glück auf, Glück auf!“ Mit dieser Darstellung setzen die Kirmesaktiven aus „Berge“ nicht nur den Kumpels der einstigen Zeche „Vereinigte Trappe“ ein kleines heimatliches Denkmal, man zollt auch den noch aktiven Bergleuten der Zeche „Prosper-Haniel“ sein Tribut.

Fußgruppe: Waschweiber von Gevelsberg

„Wie seine Haare schon wieder aussehen, als wäre er eben erst aufgestanden. Und diese Klamotten erst.“ – Wir lästern alle. Mal viel, mal weniger. Im Büro, im Café, im Freibad oder auf einer Party.

Doch woher kommt eigentlich der innerliche Drang, dass die Menschen so gern klatschen und tratschen? Des Rätsels Lösung sind nach Ansicht der Kirmesgruppe „Berge“ die sogenannten Waschweiber. Damals waren die Frauen überwiegend als Hausfrau tätig und bekamen so natürlich jede Menge Einblicke in die Privatsphären ihrer Mitmenschen.

Dementsprechend viel zu quatschen hatte sie dann auch, wenn sie ihre Wäsche machten. Ein wesentliches Kriterium solch eines Klatsches war es, dass der, über den geredet wurde, nicht anwesend war, aber die Tratschenden ihn kannten. Man darf gespannt sein, wen oder was die Waschweiber aus Gevelsberg wohl auf dem Kieker haben werden.

Text & Fotos: André Sicks

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