Gevelsberg sucht einen neuen Kirmeschef

In diesem Jahr wird Michael Sichelschmidt das letzte Mal den Hut bei der Gevelsberger Kirmes aufhaben. Er stellt sich 2019 nicht zur Wiederwahl.

Es ist das größte Volksfest zumindest im Süden des Ennepe-Ruhr-Kreises. Aber, es gibt ein Personalproblem: Die Gevelsberger Kirmes sucht nach einem neuen Chef. Michael Sichelschmidt, Vorsitzender des Kirmesvereins, erklärte bei der Jahreshauptversammlung am Wochenende, dass er sich nicht mehr zur Wahl stellen wird: „Nächstes Jahr werde ich definitiv nicht mehr zur Verfügung stehen. Ich sage das nicht einfach zum Spaß. Nach 30 Jahren in Verantwortung will ich die Kirmes auch einmal von außen sehen.“ Sichelschmidt forderte die Gevelsberger Kirmesgruppen auf, sich über seine Nachfolge Gedanken zu machen: „So ein Jahr ist schneller rum, als ihr denkt.“

Der Gevelsberger Kirmesverein ist sozusagen die Dachorganisation der zwölf Gruppen. Er organisiert der Kirmeszug, von dem im vergangenen Jahr mehr als 75 000 Zuschauer begeistert waren. Der Verein veranstaltet zum Beispiel aber auch den Kirmesabend und besorgt Hilfe, wenn bei einer der Gruppen Not am Mann sein sollte, wie es 2017 durch die Wetterbedingungen vorgekommen ist. Scherzhaft wird der Vorsitzende des Kirmesvereins in Gevelsberg als wichtigster Bürger der Stadt, noch vor dem Bürgermeister, bezeichnet.

Michael Sichelschmidt lebt für und mit der Kirmes. Er wohnt sozusagen mittendrin. Wenn bei ihm der riesige Knuddelbär aus dem Dachfenster schaut, dann beginnt das große Volksfest. Wenn er den letzten Hit am Stand der Mühlenhämmer ansagt, dann ist der Tag auf der „schrägsten Kirmes Europas“ zu Ende: „Ich werde der Kirmes auch in Zukunft verbunden bleiben, wenn auch nicht als Vorsitzender“, versichert Sichelschmidt.

Zehn Jahre Hammerschmied

„Vie sitt Kiärmis“, das Motto für die nächste „lange Nacht von Freitag auf Mittwoch“, ausgewählt auf der Jahreshauptversammlung, passt zu Michael Sichelschmidt. Zehn Jahre lang – von 2000 bis 2010 – war er der Hammerschmied, die Symbolfigur der Kirmes. In der Zeit wusste er vielleicht selbst nicht mehr, wie er mit Vornamen heißt: Michael oder „Willi“, wie sie ihn alle nannten.

Im Januar 2011 wurde Sichelschmidt dann als Nachfolger von Gerd Laake zum Vorsitzenden des Gevelsberger Kirmesvereins gewählt. Nach der Wahl bedankte er sich mit den Worten: „Ich hoffe, ich kann alles erfüllen, was Ihr Euch so vorstellt. Ihr wisst ja, ich komme eigentlich aus der Showbranche.“ Und trotzdem musste der neue Chef „seine“ Kirmes immer wieder fit für den Paragrafen-Dschungel machen. Die Anforderungen des Finanzamts verlangten genauso Bürokratie wie die Sicherheitsvorschriften, die nach dem schrecklichen Unglück bei der „Love Parade“ und den tödlichen Terror-Anschlägen unter anderem auf dem Berliner Weihnachtsmarkt, die Verantwortlichen von Volksfesten zur Verzweiflung oder Aufgabe getrieben haben. Unter Sichelschmidts Regie wurde die Gevelsberger Kirmes aber von Jahr zu Jahr größer und schöner.

„Vie sitt Kiärmis“

„Vie sitt Kiärmis“ wird also das letzte Motto in der Ära Sichelschmidt als Chef der Gevelsberger Kirmes sein. Mehr als 70 Vorschläge waren in diesem Jahr eingegangen. Daraus wurde vom Vorstand eine Vorauswahl getroffen. Zwischen elf mehr oder weniger originellen Ideen mussten sich die Vertreter der Kirmesvereine bei ihrer Sitzung in der Gaststätte „Zur Juliushöhe“ entscheiden. Zuerst gab es die berühmt, berüchtigte „Wech“-Runde, bei der die größten Nieten mit einem lautstarken Ruf in den Papierkorb befördert werden. Nur drei Mottos kamen durch und damit in die Endausscheidung per Handzeichen. Gewonnen hat wieder einmal eine Idee des langjährigen Kirmesfreundes Horst-Dieter Erdelt.

Text/Foto: Klaus Bröking

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